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6. Apr 2012

101

Karfreitag

Alle Jahre wieder streiten die Hessen über das Tanzverbot an Karfreitag. Einmal ganz davon abgesehen, dass es nicht zur Idee der Religionsfreiheit passt der Bevölkerung das Verhalten an diesem Tag vorzuschreiben widerspricht dieses Verbot auch dem Geist dieses Tages. Wenn man den Worten der Bibel glaubt ist dies der Tag der Erlösung. An genau diesem Tag hat sich Jesus geopfert, die Sünden der Welt auf sich genommen und so die Menschen von dieser Last befreit. Wenn das kein Grund zum feiern, tanzen und lachen ist gibt es keinen. Doch die Christen scheinen diesem Versprechen nicht zu glauben, trauern über den Tod ihres Heilands und feiern seine Wiederauferstehung drei Tage später. Ein deutlicheres Beispiel für die paradoxen Denkmodelle der christlichen Dogmen ist schwer zu finden.
Ob man nun dieser Geschichte glaubt oder nicht, heute ist ein Tag der Freude.
Den Christen werden die Sünden vergeben und die Nichtchristen müssen an diesem düsteren Trauerspiel nicht teilnehmen. Außerdem ist Fisch gesund.

3. Apr 2012

101

Multikulti

Konservative Politiker erklären die multikulturelle Gesellschaft für gescheitert. Das zeigt deutlich, wie weit Politiker von der gelebten Realität des Volkes entfernt sind. Die Vielfalt der Kulturen sehen sie nicht. Nur was sie als Hochkultur mit staatlichen Mitteln unterstützen ist in ihren Augen Kultur. Auch ihre Idee einer multikulturellen Gesellschaft ist schon im Denkansatz falsch. Man kann nicht verschiedene Kulturen zu einem Einheitsbrei zusammenrühren und mit einer deutschen Leitkultur bedeckt multikulturell nennen. Unterschiedliche Kulturen brauchen Platz zum blühen. Sie können nur nebeneinander existieren und an den Rändern miteinander kommunizieren. Sie zu mischen bedeutet sie zu zerstören.
In diesem Licht betrachtet sind auch die Versuche Ghettobildung zu verhindern unsinnig. Kultur braucht eine Gemeinde, in der sie gelebt werden kann. Menschen mit unterschiedlicher Kultur auf engem Raum anzusiedeln schafft nur Konflikte. Statt Ghettos zu verhindern sollten Gemeinden geschaffen werden, in denen Menschen ihre Kultur gemeinsam leben können. Die Parallelkultur ist nicht der Feind der Gesellschaft, sondern der einzige Weg Vielfalt möglich zu machen. Und gegen das Gespenst einer kriminellen Enklave helfen nur eine effektivere Justiz und Perspektiven für die Bewohner. Kultur lässt sich nämlich nicht verbieten.

2. Apr 2012

101

Lieber Herr Bundespräsident.

Sie bezeichnen sich selbst immer wieder als einen Mann der Freiheit. Leider haben Sie bisher noch nirgendwo gesagt, welche Freiheit Sie meinen. Meinen Sie die Freiheit der Wirtschaft Menschen zu Lohnsklaven degradieren und ausbeuten zu dürfen? Oder die Freiheit des Pöbels seinen Müll ins Gelände werfen zu können?
Ich habe selbst Jahrzehnte lang nach der Freiheit gesucht und wenig davon gefunden. Ich darf mir keine Hütte im Wald bauen, keine Brache zum Garten machen, nicht in einem Bauwagen leben. Ich darf mir noch nicht einmal aussuchen welche Drogen ich konsumiere.
Natürlich ist grenzenlose Freiheit eine Illusion und Freiheit ohne Verantwortung inakzeptabel. Doch die oft beschworene Freiheit der BRD beschränkt sich darauf zwischen Pest und Cholera wählen zu dürfen, Ressourcen zu verschwenden, andere mit Motorenlärm zu tyrannisieren und Geld für nutzlosen Tand auszugeben.
Ich konnte in diesem Land keine Freiheit finden, nur Massen von Gesetzen und Verordnung, die meine Freiheit unmöglich machen. Können Sie mir sagen, was Sie mit Freiheit meinen?

15. Mär 2012

101

Geistiges Eigentum

Ich bin selbst Urheber und denke es wird höchste Zeit für eine grundlegende Reform. Natürlich wäre es wünschenswert geistiges Eigentum vor jeglichem Missbrauch schützen zu können, entscheiden zu dürfen wer damit was tun darf. Und wer nicht.
Doch das ist im Zeitalter des Internets ein frommer Wunsch jener, die gegen Veränderung sind. Und in dieser Weise wird der Schutz des geistigen Eigentums auch schon lange nicht mehr angewendet.
Das Urheberrecht ist zum Verwertungsrecht verkommen und dient nur noch den Konzernen als Rechtfertigung dafür überteuerte DVDs und CDs zu verkaufen. Die Urheber selbst werden mit Knebelverträgen zu Kreativsklaven degradiert und die private Kopie ist in den Augen der Konzerne mittlerweile ein schweres Verbrechen, ähnlich einem Banküberfall. Das kann und wird so nicht weiter gehen, egal wie sehr sich die Pfeffersäcke wehren.

13. Mär 2012

101

Treibholz

Auch wenn ich irgendwie als Jugendlicher drei Jahre Lehrzeit überstanden habe: ich funktioniere nicht. Es ist mir nicht möglich tagein, tagaus den immer gleichen Strukturen zu gehorchen, jeden Tag die gleiche Arbeit zu machen. Ich bin keine Maschine. Man darf mich launisch nennen, doch genau diese Launen sind ein Aspekt meiner Persönlichkeit, der Kreativität erst möglich macht. Wenn in mir Musik erklingt kann ich sie nicht ignorieren und statt dessen Geld verdienen. Jedenfalls nicht dauerhaft. Was in mir lebt und nach draußen will zu unterdrücken macht mich krank.
Ich habe kein Ziel, mache keine Kunst, um reich und berühmt zu werden. Ich tue, was ich tun muss. Von Stimmungen und Inspirationen geleitet bin ich nur ein Stück Treibholz im Fluss des Lebens.

9. Feb 2012

Pingkong

Spiel mal wieder

Am Wochenende ist mal wieder Zeit für eine Runde Rollenspiel. Schön, wenn lauter alte Säcke Stunden lang um einen Tisch hocken, imaginäre Gegner erschlagen und sich den Bauch wund lachen. Mit statt gegen jemand zu spielen zu können lockt selbst einen Eigenbrötler aus seinem Elfenbeinturm. Hier mein neuer Charakter:

Sandelbalt Malachit

Es ist nicht leicht für einen jungen Berggnom unauffällig zu sein. Wenn niemand bemerkt, ob man auf einer Geburtstagsfeier war oder nicht tut das dem Selbstwertgefühl nicht gut. Doch wer nicht als Klassenclown geboren wurde oder besondere Talente besitzt sitzt oft im Schatten der Anderen, auch wenn er steht. Unbemerkt absolvierte Sandelbalt die Schule, eine Lehre als Schlosser und feilte für einen Hersteller magischer Schatullen viele Jahre an tausend Schlüsseln. Und in dieser langen Zeit entwickelte sich der Unbemerkte zum Menschen oder besser Zwergenfeind, der keine Gnome mag und alle anderen Arten blöd findet. Seltsamerweise verschaffte dieser Nihilismus ihm genau die Aufmerksamkeit, die er sich immer gewünscht hatte. Erst als Griesgram entwickelte er jene Art von persönlicher Ausstrahlung, die das Individuum aus der Masse hebt. So sollte sich niemand darüber wundern, dass schlechte Laune und Miesepetrigkeit zu den deutlichsten Charaktereigenschaften von Sandelbalt gehören.
Von seinen Kollegen lernte er nur durch Beobachtung ein, zwei kleine Zauberkünste und ein paar über das Schlosserhandwerk hinausgehende Fertigkeiten. Dies sollte ihm bald nützlich sein, denn Diebe hatten zwölf wertvolle Gemmen aus den Beständen seines Arbeitgebers gestohlen und wie auch immer fand Sandelbalt sich plötzlich auf der Jagd nach diesem Diebesgut. Nacht für Nacht durchkämmte er Dvarheim nach diesen Steinen und fand sie schließlich im Besitz eines reichen Zwerges, der in seiner Gier nach mehr vor keinem Verbrechen zurückschreckte. Sich mit dem deutlich stärkeren und kampferprobten Zwerg um die Gemmen zu streiten kam für ihn nicht in Frage. Deshalb stahl er sie, nahm als Entschädigung für seine Mühe noch ein paar Juwelen mit und brachte seinem erstaunten Brötchengeber die verloren geglaubten Gemmen zurück. Seither betreibt Sandelbalt ständig schlecht gelaunt aber erfolgreich ein Büro für die Wiederbringung verlorener Gegenstände in Dvarheim und nimmt gelegentlich auch Aufträge von anderswo an.

2. Feb 2012

101

Kältetot

Kaum sinken die Temperaturen mal wieder unter den Gefrierpunkt überschlägt sich die Hilfsbereitschaft der Bürokraten. Keiner will in der Presse den Namen seiner Stadt in Verbindung mit einem erfrorenen Obdachlosen lesen. Der Kältebus ist zum Symbol der sozialen Stadt geworden.
Doch warum muss man die Obdachlosen einsammeln?
Warum gehen sie nicht freiwillig ins Warme?
Dafür gibt es viele Gründe.
Es gibt zum Beispiel fast keine Plätze für Menschen mit Hund und noch weniger für Paare (auch sowas gibt es). Dazu kommt die Pflicht sich registrieren zu lassen.
Der wichtigste Grund ist aber die Gleichmacherei der verschiedenen auf der Strasse lebenden Menschen. Obdachlose sind keine homogene Gesellschaftsgruppe. Berber übernachten nicht mit Stadtratten zusammen, Alkoholiker wollen nicht mit Heroinsüchtigen in einen Topf geworfen werden und die vielen Individualisten haben kein Interesse an der Zwangsgemeinschaft eines Schlafsaals.
Bevor die Behörden nicht die Menschen sondern nur ein Problem sehen, werden all ihre gut gemeinten Massnahmen ins Leere laufen.
Wer im Sommer Obdachlose aus der sterilen Pracht der Innenstadt vertreibt, wird im Winter kaum ein offenes Ohr finden.
Wichtiger als Kältebusse wäre die Akzeptanz der Obdachlosigkeit als Lebensweise. Doch dazu wird es wohl nicht kommen. Die bürgerliche Gesellschaft hat die Weisheit mit Löffeln gefressen und kennt die einzige Wahrheit. Was anders lebt muss falsch leben und muss missioniert werden. Doch der mündige Bürger hat auch das Recht zu erfrieren.

1. Feb 2012

101

Die Sozialmafia

Die Medien singen immer wieder ein Loblied auf die Tafeln in Täuschland. Doch die hinter dem schönen Schein verborgene Wirklichkeit ist alles andere als gemeinnützig. Wenn der Daimlerkonzern seine Überproduktion an Nutzfahrzeugen einer Tafel "schenkt" ist das nicht nur gut platzierte Werbung. Die sonst auf der Halde verrostenden Automobile können auch noch steuerlich geltend gemacht werden und verbessern die Bilanz. Noch besser ist dieses System für den Lebensmittelhandel. Die gespendeten Nahrungsmittel sind nicht nur positiv für die Bilanz, der Händler spart sich auch die teure Entsorgung der unverkäuflichen Waren. Was auf den ersten Blick nach sozialem Engagement aussieht ist bei näherem Hinsehen nichts anderes als ein weiteres Werkzeug der Gewinnmaximierung.
Man sollte auch geschenkten Gäulen öfter mal ins Maul schauen.

17. Jan 2012

101

Wandel

Ich habe keinen Sklaventreiber, keinen Arbeitgeber, keinen Abgabetermin. Nichts muss fertig werden (ausser dem selbst gekochten Abendessen). Nur so kann ich mit dem Wandel fliessen, der Intuition folgen, in jedem Moment das tun, was getan werden will. Das ist nicht produktiv. Es dauert Jahre ein Projekt zu beenden, wenn es überhaupt ein Ende findet. Doch nur so bereitet mir was ich tue Freude.
Ich bin ein glücklicher Mensch.

11. Jan 2012

huch

Bordüren

Nicht nur Kacheln zur Verschönerung langweiliger Fussgängerunterführungen lassen sich aus meinem Spiel mit der Geometrie konstruieren, sondern auch Bordüren zur Verzierung der heimischen vier (oder acht) Wände.





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